Seelze – Die Kampfmittel-Untersuchungen in Seelze Süd dauern an: Nachdem Fachleute eines
beauftragten Betriebes in der vorigen Woche an zahlreichen Verdachtspunkten auf der für den
Grundschul-Neubau vorgesehenen Fläche Grabungen per Hand vorgenommen haben,
unterprüfen sie seit Montag tiefer gelegene Anomalien im Boden mithilfe eines Baggers.
„Diese Anomalien in bis zu zwei Metern Tiefe bedürfen einer genauen Untersuchung“, erläutert
Bürgermeister Detlef Schallhorn.
Zwar hätten die Fachleute bisher keine aktiven Kampfmittel aufgefunden, doch sei nach wie vor nicht auszuschließen, dass sich auf dem westlich von Seelze-Süd gelegenen Grundstück angesichts der insgesamt 604 ermittelten Verdachtspunkte auch Blindgänger oder andere Sprengkörper aus dem Zweiten Weltkrieg befinden.
„Wir sind daher für alle Fälle vorbereitet“, betont der Bürgermeister. Für den Fall eines Fundes
eines größeren Kampfmittels wie einer Fliegerbombe sei eine Evakuierung denkbar, die alle
Bereiche im Radius von bis zu einem Kilometer um den Fundort betrifft. Eine solche
Evakuierung würde die Stadtverwaltung gemeinsam mit den entsprechenden Expertinnen und
Experten sowie unter anderem unterstützt von der Polizei und der Freiwilligen Feuerwehr
Seelze für Sonntag, 4. Juli, planen und umsetzen, kündigt Detlef Schallhorn an. Der Umkreis der dann betroffenen Wohngebiete richte sich stark nach der Größe und Art eines gefundenen Sprengkörpers. Bei einer Evakuierung aller Bereiche in bis zu 1000 Metern Entfernung vom Fundort wären ganz Seelze Süd und weite Teile der Seelzer Kernstadt südlich der Hannoverschen Straße und der Wunstorfer Straße und je nach Fundort auch Teile nördlich
dieser Straßen betroffen. Nach Westen würde sich dieser Bereich bis zum Ortsausgang nach
Lohnde erstrecken und nach Osten bis zur Beethovenstraße reichen. Insgesamt müssten dann bis zu 8000 Einwohnerinnen und Einwohner ihre Häuser und Wohnungen verlassen.
Auch die Bundesstraße 441, der Stichkanal und die Bahnstrecke Hannover-Minden müssten zeitweise für den Verkehr gesperrt werden. Bei Kampfmitteln mit geringerer Sprengkraft würde der zu evakuierende Bereich entsprechend kleiner ausfallen.
Bisher hätten die Expertinnen und Experten bei den Untersuchungen lediglich kleinere
Metallteile verschiedener Herkunft gefunden. Die nächsten Tage würden zeigen, ob es dabei
bleibt. „Wir hoffen, dass wir bis Freitagvormittag für Seelze-Süd Klarheit haben und im Idealfall
dann Entwarnung geben können“, sagt Detlef Schallhorn. Sobald es aktuelle Informationen
dazu gibt, würden diese von der Stadt Seelze auf ihrer Internetseite unter www.seelze.de
veröffentlicht.
Im Anschluss an die Untersuchungen der Fläche in Seelze-Süd sollen ab Montag, 5. Juli,
ähnliche Arbeiten westlich von Harenberg auf der dort für den Grundschul-Neubau
vorgesehenen Fläche starten, die rund eine Woche in Anspruch nehmen dürften.
Dort sollen insgesamt 215 festgestellt Anomalien im Boden untersucht werden. Auch für Harenberg hat die Stadt Seelze bereits Vorkehrungen getroffen und Sicherheitsbereiche für mögliche Straßensperrungen und Evakuierungen umliegender Wohngebiete eingerichtet.
Zuletzt waren derartige Vorkehrungen im Juli und im September 2019 im Seelzer Stadtgebiet
erforderlich. Damals untersuchten Fachleute jeweils mehrere Verdachtspunkte auf den
städtischen Friedhöfen in Seelze und in Harenberg.
Auf beiden Flächen stellten die Experten jedoch keine Kampfmittel fest und konnten daher Entwarnung geben.
SCN/ds














