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Lesefreude mit Robbe in Seelze: Bibliothek startet Projekt

Lesefreude mit Robbe in Seelze: Die Stadtbibliothek fördert mit Therapierobbe „Paro“ gezielt Kinder aus vier Schulen
Schulsozialarbeiterin Surena Schröter, Sabine Langbehn, Leiterin der Stadtbibliothek Seelze, und Schulleiterin Gerda Schlinke von der Regenbogenschule Seelze mit der Therapierobbe „Paro“. Foto: Stadt Seelze

Seelze – Lesefreude mit Robbe in Seelze: Die Stadtbibliothek fördert mit Therapierobbe „Paro“ gezielt Kinder aus vier Schulen.

Ein ungewöhnliches Projekt für mehr Lesefreude

Die Stadtbibliothek Seelze startet mit „Lesefreude mit Robbe“ ein neues Projekt zur Leseförderung. Kinder aus den Klassen eins bis fünf lesen dabei regelmäßig der interaktiven Therapierobbe „Paro“ vor. Das Angebot richtet sich besonders an Schüler, die beim Lesen mehr Unterstützung brauchen. Gemeinsam mit vier Schulen will die Bibliothek so Sprach- und Lesekompetenz stärken.

„Mit ,Lesefreude mit Robbe` setzt die Stadtbibliothek Seelze einen innovativen Impuls für die Bildungsförderung vor Ort und stärkt zugleich die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Bibliothek und Stadtverwaltung“, sagt Bürgermeister Alexander Masthoff. „Ich bin mir sicher, dass es diesem Projekt gelingt, den beteiligten Kindern Freude am Lesen zu vermitteln und ihnen damit wichtige Voraussetzungen für Bildungserfolg und gesellschaftliche Teilhabe zu eröffnen.“

Auch Sabine Langbehn, Leiterin der Stadtbibliothek Seelze und Initiatorin des Projekts, verbindet damit klare Ziele. „Wir möchten Kinder dort abholen, wo sie gerade stehen, und ihnen einen niedrigschwelligen Zugang zum Lesen ermöglichen“, sagt sie. „Lesen lernen gelingt am besten in einer Atmosphäre, in der sich Kinder wohlfühlen und Vertrauen entwickeln können. Genau diesen geschützten Raum möchten wir mit ,Paro` schaffen.“

Wie die Therapierobbe Kindern beim Lesen hilft

„Paro“ ist ein interaktiver Roboter in Form einer jungen Sattelrobbe. Sensoren sorgen dafür, dass sie auf Berührungen, Stimmen und ihre Umgebung reagiert. Sie bewegt Kopf und Augen und gibt angenehme Laute von sich. Für Kinder hat das einen entscheidenden Vorteil: Die Robbe hört zu, ohne zu bewerten. So können sie ohne Leistungsdruck üben und Schritt für Schritt sicherer werden.

Entwickelt wurde „Paro“ in Japan. Dort und in rund dreißig weiteren Ländern wird die Therapierobbe seit mehr als zwei Jahrzehnten eingesetzt. Bisher vor allem bei Menschen mit Demenz, psychischen Belastungen oder bei längeren Krankenhausaufenthalten. Dabei wurden laut Stadt viele positive Erfahrungen mit Blick auf Kommunikation, Wohlbefinden und soziale Interaktion gemacht.

„Paro hört zu, reagiert mit Bewegungen und Geräuschen auf die Kinder und schenkt ihnen somit Aufmerksamkeit – ohne zu kritisieren oder zu verbessern“, erläutert Langbehn. „Das stärkt das Selbstvertrauen und kann die Freude am Lesen nachhaltig fördern. Für viele Kinder ist das eine wertvolle Erfahrung.“

Elf Kinder machen zum Start mit

Zum Auftakt nehmen elf Kinder aus der Regenbogenschule, der Brüder-Grimm-Schule, der Astrid-Lindgren-Schule sowie der Bertolt-Brecht-Gesamtschule teil. Die Schulen haben die Schüler ausgewählt. Die wöchentlichen Treffen finden in den Räumen der Regenbogenschule in Seelze und der Brüder-Grimm-Schule in Letter statt.

Jedes Treffen dauert eine Stunde. In dieser Zeit hat jedes Kind etwa 15 Minuten, um der Robbe aus einem selbst gewählten Buch vorzulesen. Die übrigen Kinder werden parallel in kleinen Gruppen von Sozialpädagogin Surena Schröter begleitet. Ergänzt wird das Angebot durch Gespräche über die Bücher, kreative Aufgaben und digitale Leselernangebote.

Erste Eindrücke machen Mut

Surena Schröter sieht in dem Projekt mehr als reines Lesetraining. „Unser Ziel ist es, den Kindern positive Leseerfahrungen zu ermöglichen und sie für Geschichten, Sprache und Bücher zu begeistern“, sagt sie. „Wenn Kinder merken, dass sie erfolgreich lesen können und dabei Freude empfinden, wirkt das oft weit über das eigentliche Lesen hinaus.“

Das pädagogische Konzept knüpft an Erkenntnisse aus der tiergestützten Therapie an. Studien deuten darauf hin, dass „Paro“ Motivation und Kommunikationsbereitschaft fördern und Stress verringern kann. Diese Erfahrungen überträgt die Stadtbibliothek Seelze nun erstmals gezielt auf die Leseförderung von Kindern.

„Die Kinder lernen zunächst die Robbe kennen und bauen eine Beziehung zu ihr auf“, erklärt Schröter. „Im besten Fall gewinnen sie dadurch mehr Sicherheit und Selbstvertrauen. Das kann eine wichtige Grundlage für erfolgreiches Lernen sein.“ Die ersten Projektstunden stimmen sie zuversichtlich. „Die Erfahrungen waren sehr positiv. Die Kinder haben gelächelt und waren interessiert, wie ,Paro` funktioniert“, berichtet die Sozialpädagogin.

Projekt läuft bis Ende Januar 2027

Das Projekt ist zunächst bis Ende Januar 2027 angelegt. In dieser Zeit wird es wissenschaftlich begleitet und ausgewertet, wie Sabine Langbehn betont. Geplant sind Befragungen der teilnehmenden Kinder und ihrer Lehrkräfte. Untersucht werden soll, wie sich das Angebot auf Lesemotivation, Lesekompetenz sowie auf Sozialverhalten und Empathie auswirkt. Dabei geht es nicht nur um bessere Leseleistungen. Auch mögliche Ängste sollen abgebaut und das Selbstvertrauen der Kinder gestärkt werden.

Finanziert wird das Vorhaben mit rund 9.500 Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Die Förderung ist Teil der Programme „Kultur macht stark“ und „Gemeinsam digital“ und wird durch den Deutschen Bibliotheksverband betreut. Unterstützung kommt außerdem vom Familienservicebüro und vom Team Jugend der Stadt Seelze.

SCN/aw – Lesefreude mit Robbe in Seelze