
Seelze – Kommunen bilden länderübergreifende Korridorgemeinschaft gegen die ICE-Trassenpläne der Deutschen Bahn und fordern Neubewertung.
Gegner der ICE-Trasse formieren sich
In der „Nenndorfer Erklärung“ hat die Stadt Seelze bereits im Februar 2019 gemeinsam mit zahlreichen weiteren betroffenen Städten und Gemeinden den Plänen der Deutschen Bahn für eine neue ICE-Trasse zwischen Hannover und Bielefeld widersprochen. Bei einem Treffen in Bückeburg haben die Vertreter der Kommunen nun beschlossen, ihre Zusammenarbeit zu intensivieren. In einer länderübergreifenden Korridorgemeinschaft soll dem Vorhaben noch effektiver entgegengetreten werden.
Forderung nach Überprüfung der Planungen
Die beteiligten Kommunen fordern Bund und Länder auf, den Planungsauftrag zur Neubaustrecke Hannover-Bielefeld zu überdenken und insbesondere vom starren 31-Minuten-Fahrzeitziel abzurücken. Dieses Ziel führt zu besonders eingriffsintensiven Trassenvarianten. Bürgermeister Alexander Masthoff betont, dass es das Ziel sei, möglichst alle betroffenen Kommunen in einer neuen Gemeinschaft zusammenzubringen und die bisherigen Erklärungen zur ICE-Trasse in einer „Korridorerklärung“ zusammenzufassen. Dadurch könnten die Anliegen und Positionen gegenüber dem Bund, den Ländern und der Deutschen Bahn mehr politisches Gewicht erhalten.
Geschlossenes Auftreten für berechtigte Interessen
Die Auswirkungen des Projekts betreffen zahlreiche Kommunen über Ländergrenzen hinweg, weshalb ein geschlossenes Auftreten erforderlich ist, erläutert Masthoff. Die angestrebte Korridorgemeinschaft stellt den nächsten Schritt dar, um auf Augenhöhe in den Dialog mit den Entscheidungsträgern zu treten.
Aktuelle Planungen der Deutschen Bahn
Anfang Dezember veröffentlichte die Deutsche Bahn ihren aktuellen Planungsstand für die geplante ICE-Neubaustrecke. Demnach sollen nur noch zwei der ursprünglich zwölf Trassenvarianten weiterverfolgt werden. Beide verlaufen über den Raum Bad Nenndorf/Suthfeld und Stadthagen. Für das Stadtgebiet Seelze ist die Entscheidung, künftig nur noch zwei Anbindungsvarianten an die Bestandsstrecke zu untersuchen, besonders relevant.
Stadt Seelze setzt auf trassennahen Ausbau
Die Stadt Seelze betrachtet auch die beiden verbliebenen Optionen mit Skepsis, da sie erhebliche Belastungen für das Stadtgebiet und die örtliche Wirtschaft mit sich bringen würden. Masthoff bekräftigt die Unterstützung einer leistungsfähigen Schieneninfrastruktur, lehnt jedoch Lösungen ab, die wertvolle Landschaften zerstören und die Kommunen überfordern. Ein trassennaher Ausbau der bestehenden Strecke westlich von Lohnde wird als die verträglichste Lösung angesehen.
Belastungen für die Region
Die Deutsche Bahn plant zwar einen Überbau mit Stützen, um die Beeinträchtigungen zu minimieren, doch die tatsächlichen Eingriffe können erst bei konkreten Planungen abgeschätzt werden. Die Stadt Seelze wird darauf hinwirken, dass die Eingriffe auf das notwendige Maß begrenzt bleiben. Eine Ausfädelung zwischen Lohnde und Gümmer könnte ebenfalls gravierende Auswirkungen auf das Stadtbild und die Lebensqualität der Anwohner haben.
Kritische Neubewertung der Planung gefordert
Ähnliche Belastungen erwarten auch andere betroffene Städte und Gemeinden. Bei ihrem Treffen in Bückeburg forderten die Bürgermeister eine grundlegende Neubewertung der bisherigen Planung durch Bund und Länder. Bückeburgs Bürgermeister Axel Wohlgemuth bot sich als Ansprechpartner für das weitere Vorgehen an. Bürgermeisterin Anke Grotjohann aus Porta-Westfalica kündigte an, für die Beteiligung aller betroffenen Kommunen an der länderübergreifenden Korridorgemeinschaft zu werben. Die Nenndorfer Erklärung wurde mittlerweile von zehn Kommunen unterzeichnet.
SCN/rw – Kommunen bilden länderübergreifende Korridorgemeinschaft











